Studienreise der VHS Menden-Hemer-Balve nach Lothringen

von | Juli 2018 | Reiseberichte

Arc Héré am Place Stanislas in Nancy, Frankreich (Foto: Determann Touristik)

Für viele Deutsche ist Frankreich eines der beliebtesten Urlaubsländer: die Provence, Normandie, das Elsass und Paris erfreuen sich größter Beliebtheit. Aber Lothringen? Da gibt es doch nur Stahlwerke und Kohlengruben. Ob dies stimmt, wollte eine Reisegruppe der VHS Menden-Hemer-Balve wissen und machte sich vom 11. bis 16. Juni 2018 auf in das Herzstück des alten Frankenreiches.

Metz, für eine Woche Standort, begeisterte alle Teilnehmer. Die Stadt an der Mosel spiegelt die konfliktreiche Geschichte zwischen Deutschland und Frankreich wider, verbirgt nicht das prächtige „Kaiserviertel“ aus wilhelminischer Zeit ebenso wenig wie die Zeugen der französischen Epoche. Die Stadt sprüht vor Leben und beherbergt bedeutende Zeugen aus dem Mittelalter, allem voran die gotische Stephanskathedrale mit ihren wunderbaren Chagall-Fenstern. Eine Gedenktafel erinnert in ihrem Innern an den letzten deutschen Bischof Benzler, einen Hemeraner.

Statue von Stanislaus I. Leszczyński am Place Stanislas in Nancy, Frankreich

Statue von Stanislaus I. Leszczyński am Place Stanislas in Nancy, Frankreich (Foto: Determann Touristik)

Ein ganz anderes Bild bietet die Residenzstadt Nancy. Die Place Stanislas ist einer der schönsten Plätze der Welt, großzügig, harmonisch und bildet mit den Plätzen Carrière und Alliance ein außergewöhnliches Ensemble als Weltkulturerbe.

Toul mit seiner gotischen Kathedrale, die idyllische Stadt Pont-à-Mousson, Lunéville mit seinem barocken Schloss und Garten – all dies galt es zu entdecken ebenso wie die kleinen Wehrkirchen in verschlafenen Dörfern, in denen man nie so großartige Fresken vermutet hätte. Nicht zu vergessen die liebliche , leicht hügelige Landschaft mit ihren Getreidefeldern. Man kann sich heute bei ihrem Anblick kaum vorstellen, dass hier viele blutige Schlachten geschlagen wurden, in denen unzählige Menschen ihr Leben lassen mussten. Das wird einem bewusst, wenn man bei Verdun die riesigen Soldatenfriedhöfe mit ihren Kreuzen sieht, durch das unterirdische Fort Vaux geht und an der Gedenkstätte Douaumont steht. Hier verstummen alle Gespräche, und man wird dankbar dafür, dass eine nationalistische Vergangenheit abgelöst wurde durch den Willen, in der Europäischen Union friedlich zusammen zu leben.

Von der Schwerindustrie ist in Lothringen nicht mehr viel erhalten, jetzt bemüht sich das Land, sein reiches kulturelles Erbe und seine Landschaft bekannt zu machen und ein Bindeglied zu sein zwischen Deutschland und Frankreich. Eine Entdeckungsreise dorthin lohnt sich.

Ursula Stopsack