Acht Sommertage in Schlesien

von | August 2019 | Reiseberichte

Die Internationale Jugendbegegnungsstätte „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung“ (IJBS Kreisau) im Schloss Kreisau (Foto: Gabriele Wessels)

​Bildungsreise der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Senden im August

Diesmal sollte es Ober – und Niederschlesien sein, daher begann die diesjährige Gruppenreise der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Senden Ende August in Katowice/Kattowitz und endete in Wroclaw/Breslau. Alle Ziele und Gesprächsrunden waren anspruchsvoll hinsichtlich ihrer politischen Aktualität in Polen wie auch der geschichtlichen Dimensionen. Vorstandsmitglied Leander Vierschilling hatte dazu den Verlauf der Reise konzipiert und zusammen mit dem polnischen Reiseführer Jan Gras die 33 Reiseteilnehmer*innen fachkundig geführt.

Gregor Mitschke demonstriert wie er den Sockel eines Altars vergoldet

Georg Mitschke demonstriert, wie er den Sockel eines Altars vergoldet (Foto: Hans-Jürgen Pohl)

Mit dem Besuch des Schlesischen Museums in Kattowitz begann die Tour. Ein interaktiv höchst modern gestaltetes Museum, das in ausgewogener und authentischer Weise die Geschichte des Bergbaus in dieser Region darstellt. „Besonders beeindruckte mich“, so der Vorsitzende der DPG Hans-Jürgen Pohl, „wie historisch korrekt das Zusammenleben deutsch und polnisch sprechender Bewohner Oberschlesiens in preußischer Zeit, aber auch das dramatische Ende dieser Gemeinsamkeiten sowohl nach dem 1. als auch nach dem 2. Weltkrieg veranschaulicht werden.“ Der Besuch des Annabergs mit der dortigen Wallsfahrtskirche bei Opole/Oppeln bildete eine logische Folge des historischen Einstiegs in die Schlesienreise und war wohl einer der Höhepunkte. Der betagte deutsche Restaurator und Maler Georg Mitschke führte selbst durch „seine Kirche“. Seit Jahrzehnten gestaltet er dieses barocke Kleinod aus. Leander Vierschilling kennt ihn seit vielen Jahren: „Georg Mitschke wird sowohl in Polen wie in Deutschland als Künstler und Kenner der schlesischen Geschichte anerkannt und geschätzt.“

Die Reisegruppe aus Mitgliedern und Freunden der DPG Senden in Glatz

Die Reisegruppe aus Mitgliedern und Freunden der DPG Senden in Glatz(Foto: Hans-Jürgen Pohl)

Weiter ging es über Nysa/Neiße – die Partnerstadt von Lüdinghausen – ins Glatzer Bergland. Die alte Festungsanlage oberhalb der Stadt Kłodzko/Glatz war ein Muss für die Gruppe. Diese militärische Anlage vergangener Zeiten erinnert sowohl an die österreichische als auch preußische Vergangenheit des Glatzer Berglands.

Die Fahrt durch die Gebirgslandschaft des sich anschließenden Sudetenlandes vermittelte einen Eindruck der landschaftlichen Schönheiten des heutigen Grenzlandes zwischen Polen und Tschechien. Kudowa Zdrój/Bad Kudowa wurde zum Ausgangspunkt einiger besonders schöner Ausflüge der Gruppe. So wurde die Wanderung durch die Felsenlandschaft von Adrspasske/Adersbach in Tschechien zu einem Erlebnis. Der Besuch der Internationalen Jugendbegegnungstätte Kryzowa/Kreisau bei Swidnica/Schweidnitz hatte gleich zwei historische Bezüge: zum einen den Widerstand gegen das NS-Regime von 1942 bis 1944 unter James Graf Moltke mit dem Kreisauer Kreis und zum anderen die Begegnung und versöhnende Umarmung von Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Masowiecki 1989, die zum Symbol der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland wurde.

Wie es um Polen heute bestellt ist – in gesellschaftlicher, politischer, sozialer und auch kirchlicher Hinsicht – das vermittelte Reiseführer Jan Gras auf engagierte Weise: „Dem Land ging es wirtschaftlich noch nie so gut. Wir haben vor allem in und um die Großstädte herum praktisch keine Arbeitslosigkeit. Doch die national-konservative Politik der derzeitigen Regierung führt zu einer Spaltung der Gesellschaft, die bis in die Familien reicht.“

Der Besuch Breslaus, der Hauptstadt der Wojwodschaft Niederschlesien, bildete den Abschluss der Reise. Hier konnten die Reiseteilnehmer*innen eintauchen in eine Altstadt, die seit 2006 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört….